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Im August 1984 begab sich ein Mann aus Manchester nach Seyðisfjörður an der Ostküste Islands, schulterte seinen Rucksack, drehte der See den Rücken zu und schickte sich an, die Insel zu durchqueren. Als er gut sieben Wochen Später in Reykjavík seine Ein-Mann-Expedition beendete, hatte Ted Edwards mehr als 800 km zu Fuß zurückgelegt. Er hatte Flüsse gefurtet, Gletscher und Vulkane bestiegen, Wüsten durchquert und war dabei mehrmals dem „alten Kahlkopf“ – Freund Hein – nur mit knapper Not von der Schippe gesprungen.

Dabei war er nicht unerfahren als Abenteurer. Bereits ein Jahr zuvor hatte Edwards, nur in Begleitung zweier Kamele, das „Leere Viertel“ der Sahara durchquert. Er kannte sich also aus mit Wüsten. Trotzdem hielt das isländische Hochland einige Herausforderungen bereit, auf die er nicht vorbereitet war. Aber auch seine Ausrüstung trug dazu bei, das Unternehmen zu einem Abenteuer zu machen.

Es war eine Zeit, als Navigation nicht mithilfe von Sateliten geschah, sondern Kompass und Sonnenstand die Himmelsrichtung anzeigten. Die Softshell hieß noch bescheiden Regenkleidung, atmungsaktiv war allein der Wanderer selbst und Edwards brach nicht zu einer Trecking-Tour auf, folgte keinem Hiking-Trail – sondern er ging. Allenfalls betrieb er eine frühe Form des Nordic-Walking, dem Gehen im Norden, bei dem das hastige Ausschreiten und das rhythmische Lärmen von Teleskopstöcken noch keine Rolle spielte.

Das Buch geht weit über eine bloße Schilderung isländischer Landschaft und der Leistungen des Autors hinaus. Missgeschicke und Fehlentscheidungen werden nicht verheimlicht, zumal sie oft genug der Quell der Abenteuer sind. Wir dürfen Begegnungen mit Menschen, wie etwa der schon fast ans Mythische grenzenden Gestalt von „Hermann the German“ miterleben, und erfahren ganz nebenbei Manches über die Siedlungsgeschichte Islands. Das mag trocken klingen, ist es aber nicht, denn Edwards hat nicht nur etwas zu erzählen, sondern er kann es auch – oft genug getragen von einem lakonischen Humor, ohne den die Härten und Entbehrungen seiner Reise vielleicht nicht zu ertragen gewesen wären.

Erstmals erscheint dieser Reisebericht nun in Deutscher Übersetzung. Warum er so lange nach seiner Erstveröffentlichung immer noch lesenswert ist, verdeutlicht Lisa Steppe, die ein Jahr vor Edwards in Island unterwegs war: „In jedem Fall ist das Buch für einen Fußwanderer in Island ein Muss. Und da ist es auch nicht veraltet. Denn die Wolkendecke, die sich über den Gletscher schiebt und Edwards dann die Sicht nimmt, veraltet nicht.“

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